Schmusebär und Kratzekatze

Schmusebär und Kratzekatze

Hintergrund

Als Kinderschutzbund erleben wir immer noch viele Vorbehalte und Ängste in Bezug auf die Möglichkeit und Umsetzung von frühzeitiger Prävention gegen sexualisierte Übergriffe. Gleichzeitig wissen wir, dass der Beginn von Übergriffen, die Kinder von Jugendlichen oder Erwachsenen erleben, meist in der frühen Kindheit liegt.

Aus einer Zusammenstellung des Jahresberichtes Jugendkriminalität und Jugenddelinquenz sind die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik zu den Straftatbeständen der §§ 176, 176a und 176b StGB. der Opferstatistik für den Landkreis Harburg für die Jahre 2005-2016 tendenziell steigend. So sind 2005 insgesamt 22  Kinder und Jugendliche  im Alter von 0-14 Opfer eines Sexualdeliktes geworden, davon 19 Mädchen und 3 Jungen. 2008 waren es insgesamt 43, davon 35 Mädchen und 8 Jungen. 2016 sind insgesamt 32 Kinder und Jugendliche, davon 31 Mädchen und ein Junge. Die im Bereich sexueller Übergriffe vermutete Dunkelziffer ist 10 – 20 Mal höher, als die polizeilich erfassten Zahlen der Opferstatistiken.

Zudem ist durch die stärkere Sexualisierung von Kindern und Jugendlichen durch die neuen Medien eine Zunahme sexuell grenzverletzenden Verhaltens unter Kindern im Vor- und Grundschulalter zu beobachten (vgl. Zartbitter Köln e.V.). Die Beratungserfahrungen in der Koordinationsstelle des Kinderschutzbundes Kreisverband Landkreis Harburg e.V. bestätigen dieses Abbild.

Aufgrund dieser Tatsachen und Entwicklungen scheint es uns notwendig, Kinder frühzeitig mit geeigneten Präventionsmaßnahmen zu stärken und bei Erwachsenen mehr Handlungssicherheit im Umgang mit diesem Themenkomplex zu fördern.
Dabei sollte Prävention so gestaltet sein, dass sie stärkend und ermutigend wirkt, vorhandenen Ängsten begegnet und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet. Die Verantwortung, für die Sicherheit von Kindern zu sorgen, liegt bei den Erwachsenen. Diese Verantwortung anzunehmen heißt zu allererst, eine präventive Erziehungshaltung anzunehmen und Kindern kontinuierlich in dieser Haltung zu begegnen.

Folglich muss sich Präventionsarbeit einerseits an Erwachsene als Hauptverantwortliche für den Schutz, die Stärkung und Unterstützung von Kindern wenden und andererseits direkt an Kinder, die im Rahmen der Präventionsarbeit erleben, dass Erwachsene sie darin unterstützen,
ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu spüren und auszudrücken.

Prävention gegen sexualisierte Übergriffe bei Kindern baut in erster Linie darauf auf, ihren Selbstwert und ihre Persönlichkeit zu stärken. Wenn Mädchen und Jungen wissen, dass sie ihre Empfindungen und Gefühle ernst nehmen dürfen, haben sie mehr Möglichkeiten, bei ungewollten Berührungen, Umarmungen und auch bei Übergriffen Grenzen zu setzen und sich gegebenenfalls Hilfe zu holen.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass Kindertagesstätten und Grundschulen, die eine solche Präventionsarbeit
in ihr pädagogisches Konzept und ihre tägliche Arbeit integrieren sowie deren Elternschaft durch die Auseinandersetzung mit diesem Thema frühzeitiger, sensibel und sicherer reagieren, wenn sich Grenzverletzungen unter Kindern ereignen oder vermutet wird, dass Kinder solche Übergriffe durch
andere Menschen erleben.

Insbesondere Präventionsangebote für Kinder sind aber besonders wirkungsvoll und nachhaltig, wenn sie emotionale Anknüpfungspunkte bieten, über einen längeren Zeitraum stattfinden und praktische Handlungselemente beinhalten. In der Präventionsarbeit mit Kindern im Vorschulbereich ist es wichtig,
darauf zu achten, dass konkretes Verhalten vermittelt wird.

Aus diesem Grund beinhaltet das Präventionskonzept „Schmusebär und Kratzekatze“ ein Theaterstück, das mit den Stofftieren des Stückes und einem Fotobuch von einzelnen Szenen nachbereitet werden kann –
sowie zahlreiche Materialien für die pädagogische Arbeit zu den Präventionsthemen, durch die Kinder neue Erfahrungen im praktischen Handeln machen können.

Ziele

  • Kinder stärken durch altersgemäße
    • Förderung von Selbstachtung und Achtung anderer
    • Förderung von Selbstbestimmung über den eigenen Körper und Respekt vor der Selbstbestimmung anderer
    • positive Selbsterfahrung und die Freude darüber, zu positiven Erfahrungen anderer beitragen zu können
  • Kinder schützen durch
    • altersgemäße Wissensvermittlung zu den Themen „Recht auf den eigenen Körper und auf die eigenen Gefühle“, “Grenzen setzen, Nein sagen“,
      „Gute und schlechte Geheimnisse“ und „Hilfe holen“
    • Sensibilisierung, Information und Unterstützung von Eltern und päd. Fachkräften zu den Themen „Sexuelle Übergriffe“ und „Präventive Erziehungshaltung“
    • Förderung von Verantwortungsübernahme Erwachsener
    • Förderung von Handlungssicherheit Erwachsener in Fällen sexueller Übergriffe

  • Netzwerkarbeit  – Unterstützung pädagogischer Fachkräfte in Fällen sexueller Übergriffe durch Aufzeigen von Hilfsmöglichkeiten
    unterschiedlicher Organisationen im Landkreis Harburg.

Inhalte

  1. Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte –  durch den Kinderschutzbund
    Für alle Kindertagesstätten und Grundschulen (1.und 2.Klasse), die an dem Konzept teilnehmen möchten, findet eine Fortbildung statt. Die Fortbildung des Gesamtteams ist Voraussetzung für die Durchführung der Präventionsarbeit. Sie umfasst  6 Zeitstunden. In der Fortbildung  werden Handlungskompetenz im Umgang mit den Themen und praktische Anregungen für die Umsetzung der Präventionsziele in der
    pädagogischen Arbeit sowie Informationen über den sensiblen Umgang mit dem Thema „Sexuelle Übergriffe auf Mädchen und Jungen“ sowie deren Prävention vermittelt. Je nach Bedarf kann auch ein Unterstützungsangebot für die Erarbeitung eines Sexualpädagogischen Konzeptes angefragt werden.

  2. Pädagogische Einheiten –  durchzuführen von den pädagogischen Fachkräften zu folgenden Themen:
    – Ich kenne meine Gefühle und darf ihnen vertrauen
    – Mein Körper gehört mir
    – Nein sagen – Grenzen setzen
    – Gute und schlechte Geheimnisse
    – Hilfe holen – Hilfe geben
    Auf der Grundlage der Fortbildungsinhalte und mit Hilfe der zur Verfügung gestellten Materialien erarbeitet jedes Team seinen individuellen Präventionsplan, der die Umsetzung der Ziele in der pädagogischen Arbeit und die Elternarbeit umfasst (Wann sollen welche Inhalte wie an welche Kinder vermittelt werden? Wie soll die Elternarbeit zu dem Konzept aussehen?). Der DKSB KV Landkreis Harburg e.V. unterstützt diese individuelle Entwicklung des Präventionsplans auf Anfrage durch Fachberatung.

  3. Elternarbeit –  durch die Einrichtung und in Kooperation mit dem DKSB  
    In der Fortbildung werden auch Anregungen zur Elternarbeit gegeben. Jedes Team setzt diese Anregungen je nach Bedarf und Möglichkeit der eigenen Einrichtung um, damit die Eltern über die Inhalte und Ziele informiert und für eine Unterstützung sensibilisiert werden. Auf Wunsch kann ein Elternabend anschließend nach der Vorführung von „Schmusebär und Kratzekatze“ gemeinsam mit dem DKSB und mit dem Holzwurmtheater durchgeführt werden.

  4. Theateraufführung –  vom Holzwurm Theater
    Terminanfragen für die Theateraufführung des Stückes „Schmusebär und Kratzekatze“ werden vom DKSB KV Landkreis Harburg e.V.
    koordiniert. Die Durchführung der Präventionsarbeit ist jedoch auch ohne Theateraufführung möglich. Für die Theateraufführung schließt das Holzwurm Theater direkt mit jeder einzelnen Einrichtung einen Vertrag ab. Zurzeit betragen die Kosten für eine Aufführung 400 Euro.

  5. Reflexion
    Wir bitten die Einrichtungen, nach dem durchgeführten Projekt, einen von uns erstellten schriftlichen Reflexionsbogen auszufüllen.
    Den nutzen wir dafür, das Projekt immer wieder aktuell an die Bedürfnisse der Einrichtungen anzupassen.

Materialien

stehen gegen eine Kaution von € 40,- zur Verfügung:
Ideensammlung für die pädagogische Arbeit zu den einzelnen Themen (CD mit Spielen, Liedern, Übungen, kreativen Methoden)

Zur Ausleihe:

  • Bücherkiste (mit Bilderbüchern und didaktischem Material)
  • Stofftiere des Theaterstücks
  • Kniebuch mit Szenenfotos des Theaterstücks
  • Materialien für die Elternarbeit

Ihre Ansprechpartnerin: Simona Wriede